Wer in Südostbayern gerade vor der Frage steht, die alte Gasheizung zu tauschen, hat 2026 eine relativ klare Richtung: Wärmepumpe. Aber nur, wenn die Rahmenbedingungen passen. Dieser Ratgeber schaut nüchtern auf die Fakten und sagt, wann sich der Umstieg rechnet und wann nicht.
Die Ausgangslage 2026
Seit dem Gebäudeenergiegesetz (novelliert 2024) müssen neue Heizungen zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. In der Praxis heißt das: Wärmepumpe, Biomasseheizung oder Fernwärme. Reine Gas- und Ölheizungen sind in Neubauten und bei umfassender Sanierung nicht mehr zulässig. Bei Bestandsimmobilien gelten Übergangsfristen bis 2028 oder 2045 je nach Kommune.
Konkret in Südostbayern: Wer seine 15 Jahre alte Gas- oder Ölheizung heute tauscht, hat drei realistische Optionen. Gas-Hybridheizung als Übergangslösung, Pellets oder reine Wärmepumpe. Von diesen dreien ist die Wärmepumpe in fast allen Fällen wirtschaftlich und ökologisch die bessere Wahl.
Wärmepumpe vs. Gasheizung — der direkte Vergleich
| Kriterium | Wärmepumpe (Luft-Wasser) | Gasheizung |
|---|---|---|
| Anschaffung | 18.000–28.000 € | 8.000–12.000 € |
| BAFA-Förderung | bis 70 Prozent möglich | nicht mehr förderfähig |
| Effektive Anschaffung nach Förderung | 8.000–15.000 € | 8.000–12.000 € |
| Betriebskosten pro Jahr (EFH 140 m²) | 800–1.200 € | 2.200–3.200 € |
| CO₂-Emission pro Jahr | 600–1.000 kg | 3.500–5.000 kg |
| Wartung pro Jahr | 150–250 € | 200–350 € |
| Lebensdauer | 18–25 Jahre | 15–20 Jahre |
| Lärmpegel außen | 35–45 dB in 3 m | nicht relevant |
Wann sich der Umstieg auf Wärmepumpe rechnet
Eindeutig ja bei:
- Neubau oder Kernsanierung: Dämmstandard und Heizkörper sind ohnehin neu. Die Wärmepumpe ist dann die klar günstigste Variante.
- Altbau mit nachgerüsteter Dämmung seit 1990 oder später: Vorlauftemperaturen unter 55 °C sind machbar, Luft-Wasser-Wärmepumpe funktioniert direkt.
- Kombination mit eigener PV-Anlage: Der Eigenverbrauch steigt auf 60 bis 70 Prozent, die Betriebskosten halbieren sich gegenüber einer WP mit reinem Netzstrom.
- Jahresverbrauch über 20.000 kWh Gas: Je höher der Verbrauch, desto schneller amortisiert sich die teurere WP.
Vorsicht bei:
- Ungedämmte Altbauten vor 1980: Heizkörper sind oft zu klein für niedrige Vorlauftemperaturen. Entweder vorher dämmen und Heizkörper tauschen oder Gas-Hybridheizung als Übergangslösung.
- Sehr enge Grundstücke: Die Außeneinheit braucht Abstand zum Nachbarn (mindestens 3 Meter nach TA Lärm). Bei Reihenhäusern manchmal problematisch.
- Gas-Niedertemperatur-Kessel von 2018 oder später: Wenn die Anlage noch top läuft und die Brennwerttechnik voll genutzt wird, ist ein Weiterbetrieb bis zum Förderende 2028 oft wirtschaftlicher als der sofortige Tausch.
Die Rechnung: Was Sie in 10 Jahren wirklich zahlen
Szenario: EFH 140 m², 20.000 kWh Heizbedarf pro Jahr.
Gasheizung weiter
- Anschaffung neu (Gasbrennwertkessel): 10.000 €
- Betrieb 10 Jahre à 2.700 €: 27.000 €
- Wartung 10 Jahre: 2.500 €
- Gesamt: 39.500 €
Wärmepumpe (Luft-Wasser)
- Anschaffung: 24.000 €
- BAFA-Förderung (z. B. 55 Prozent): –13.200 €
- Effektive Anschaffung: 10.800 €
- Betrieb 10 Jahre à 1.000 €: 10.000 €
- Wartung 10 Jahre: 2.000 €
- Gesamt: 22.800 €
Differenz nach 10 Jahren: 16.700 Euro zugunsten der Wärmepumpe.
Mit zusätzlicher PV-Anlage (rund 20.000 Euro, amortisiert in 8 Jahren) sinken die WP-Betriebskosten weiter auf 500 Euro pro Jahr. Die Differenz wächst auf über 20.000 Euro in 10 Jahren.
Die drei größten Missverständnisse
„Wärmepumpen funktionieren im Winter nicht“
Doch. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeiten zuverlässig bis –20 °C Außentemperatur. In Südostbayern erreichen wir in den kältesten Nächten selten tiefere Werte. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) liegt bei sauber dimensionierten Anlagen bei 3,5 bis 4,5. Das heißt: aus 1 kWh Strom werden 3,5 bis 4,5 kWh Wärme.
„Wärmepumpen brauchen Fußbodenheizung“
Nicht unbedingt. Was zählt, ist die Vorlauftemperatur. Mit ausreichend dimensionierten Heizkörpern (Plattenheizkörper mit größerer Fläche) funktioniert eine Wärmepumpe auch bei 50 bis 55 °C Vorlauf. Wir prüfen das vorab in der Heizlastberechnung.
„Wärmepumpen sind laut“
Die aktuellen Geräte liegen in 3 Metern Abstand bei 35 dB. Das entspricht einem Kühlschrank. Der kritische Punkt ist der Aufstellort. Nicht direkt neben dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn. Abstandsregeln nach TA Lärm halten wir bei der Planung natürlich ein.
Förderung 2026 konkret
Die BAFA-Förderung für Heizungstausch setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen:
- Grundförderung: 30 Prozent der förderfähigen Kosten
- Klima-Geschwindigkeitsbonus: +20 Prozent bei schnellem Tausch (läuft bis 2028 aus)
- Effizienzbonus: +5 Prozent für besonders effiziente WP
- Einkommensbonus: +30 Prozent bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen unter 40.000 €
Maximal sind 70 Prozent möglich. Bemessungsgrundlage bei Einfamilienhäusern: 30.000 Euro. Real bleiben nach Förderung oft 8.000 bis 15.000 Euro effektive Anschaffung.
Die genauen Sätze prüfen wir mit Ihnen im Erstgespräch, weil sich bei der BEG-EM-Förderung regelmäßig etwas ändert.
Wann Sie nicht umsteigen sollten
Wir sagen auch klar, wann ein Umstieg nicht sinnvoll ist:
- Wenn die Gasheizung weniger als 10 Jahre alt ist und tadellos läuft
- Wenn das Haus massive Dämmschwächen hat, die erst behoben werden müssen
- Wenn Sie in den nächsten zwei Jahren umziehen oder verkaufen
- Wenn weder PV-Anlage noch moderne Heizkörper da sind und Sie beides nicht mitmachen wollen
In diesen Fällen ist eine Gas-Hybridheizung oder eine reine Gasheizung mit Brennwerttechnik (bis 2028 mit Förderung möglich) die realistischere Lösung. Wir empfehlen nicht blindwütig die WP. Wir rechnen mit Ihnen durch, was zu Ihrem Haus passt.
Die nächsten Schritte
Wenn Sie über den Umstieg nachdenken, starten Sie mit einer Heizlastberechnung. Die liefert die Grundlage für die richtige WP-Dimensionierung und zeigt, ob Ihre Heizkörper mitspielen. Wir berechnen das in der Regel innerhalb einer Woche nach dem Vor-Ort-Termin.
Kontakt: 08637 35 99 960 oder info@am-entec.de. Mehr Details zur Wärmepumpen-Installation finden Sie auf unserer Wärmepumpen-Übersicht sowie auf den Ortsseiten für Mühldorf am Inn, Altötting und Waldkraiburg.
Wenn Sie sich außerdem für die Kombination mit einer eigenen PV-Anlage interessieren, lohnt der Blick in unseren Ratgeber PV-Anlage Kosten 2026 in Südostbayern.